Letztens hat mich David für ein paar Tage besucht. Kurz vor seinem ankommen ist mir aufgefallen, dass Fabian ebenfalls zu Besuch war und ich das hier noch nirgends in post-Freude verkündet habe.
Ankunft:
Beide kamen beim ersten Aufeinandertreffen auf spanischem Boden gut gelaunt auf mich zu... David weil bei ihm einfach die ganze Reise recht zügig und nach Plan verlaufen war, Fabian hätte ein wenig zerknirschter aus sener Lieblingsjacke schauen können, da er vom Norden Frankreichs trampte. Ein zuvor geschossenes Tor von einem Herr Robben und dem damit verbundenen Einzug des FCB ins Championsleague-Halbfinale trugen wohl ein wenig zur Verbesserung seiner Stimmung bei.
Essen:
Beide können kochen! Das soll hiermit mal gesagt sein (und diesen Text Schwiegermutter-vorzeigbar machen)Sehr krass fand ich, dass beide auf tote Tiere verzichtet haben, während ihres Besuchs...versteht denn niemand, dass ich kein Problem mit Fleischessern in meiner Umgebung habe? Auf jeden Fall sehr zuvorkommend:)
Davids Besuch war ungefähr halb so lang wie Fabians aufenthalt...da galt es keine Zeit für aufwendiges kochen zu verschwenden. Am zweiten Tag wurde kurz über die Nudel+Soße-Taktik vom Vortag nachgedacht und erneut für gut befunden, diesmal mit Reis.
Fabian würde gerne in seinem nächsten Leben Koch werden...auf jeden Fall habe ich das Gefühl. Am Anfang seiner Woche wurde ein Großeinkauf gemacht und dann jeden Abend Zeitintensiv mit vielen verschiedenen Zutaten und nacheinander auszuführenden detaillierten Schritten gekocht. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Schritt nötig gewesen wäre, aber "blanchieren" hört sich einfach gut an und das Ergebnis wurde jeden Tag mit "des isch das beschte wo gibt" bewertet.
Sightseeing:
In der Fabian-Woche musste ich fast jeden Tag zur Uni, was uns davon abhielt uns mit dem ganzen Touri-Zeugs zu befassen. Ausserdem hat Fabian schon in Barcelona gelebt und kennt den Kram schon.
David hingegen kam mit einem Touristenführer bewaffnet an und konnte mir bei unseren Barcelona-Touren über viele Häuser interessante Dinge berichten.
Am Sonntag waren wir mit Urte in der Sagrada Familia. Das ist eine riesige Kirche(Kathedrale?)die Gaudi vor fast 130 Jahren angefangen hat zu bauen. Es sollte eine Kirche für die Armen sein. Ich habe 14€ für eine Besichtigung mit Audioguide bezahlt.
Ich habe das erste mal in meinem Leben mit solchen häßlichen Kopfhörern etwas besichtigt. Was soll ich sagen...? Es war eine sehr eindrucksvolle Erfahrung.
Zwar kein wirkliches Gruppenerlebnis, dafür kann man selber bestimmen welche Infos einem Interessant erscheinen und welche nicht. Einfach ein paar Tasten auf dem Gerät drücken und schon gibt's die gewünschten Infos in ausserordentlich guter Qualität auf die Ohren. Wenn nicht sofort alles verstanden wurde, eben nochmal von vorne. Ich gehe so weit und ziehe den Audioguide einer richtigen Führung vor, obwohl/weil man dabei nicht die persönliche Note des Führers und die Tausend mal erpobten Witzchen mitbekommt.
Das zum Audoguide...
Die Sagrada Familia selber war so beeindruckend, detailliert, durchdacht und überhaupt nicht mit Prunk überfrachtet, dass ich an meiner Abneigung gegenüber der Institution Kirche zweifle. Ohne die katholische Kirche hätte es diese Kirche nicht gegeben, oder besser: Ohne die Katholiken wäre der Bau nicht angefangen worden. Derzeit arbeiten täglich 200 Menschen an der Kirche und ich hoffe, dass es bald mehr werden. Wenn die sich nämlich nicht beeilen wird es selbst für meine potentiellen Kindeskinder eng das Ding noch zu Lebzeiten in Vollendung bewundern zu dürfen.
Im September kommt der Papst und weiht den Altar dieser unvollendeten(!) Kirche. Wem jetzt noch nicht klar ist, was ich von der Sagrada Familia halte:
Ein Haus muss ich noch bauen, einen richtigen Baum pflanzen und den Sohn hab ich auch noch nicht gezeugt...dafür war ich in der Sagrada Familia, Yeah!
Weggehen:
Razzmatazz, so nennt sich ein wirklich sehr großer Laden. Ich würde es mal als Tanz-Club-Hauptattraktion in Barcelona bezeichnen.
Bevor Fabian mir die Freitag Nacht dort zeigte, kannte ich nur den Erasmus-Mittwoch mit geöffnetem großem Hauptsaal. 15€ für den Eintritt ist nicht wenig. Auch nicht, wenn ein Drink enthalten ist.
Die 5 verschiedenen Säle mit den verschiedenen Musiken (leider keiner so ganz die Rockschiene) sind durch breite Schläuche und Treppenhäuser verbunden. Ich habe noch keinen richtigen Plan im Kopf. Wenn ich von dem großen mit Elektro in die Halle mit der noch schnelleren elktronischen Musik will, ist das TRYandERROR-System das Mittel der Wahl. Verlieren sollte man sich hier also nicht, wenn man nicht gerade mit einer Basketballmannschaft da ist.
An diesem Abend gab es ein Konzert einer richtig guten Band, hab leider den Namen vergessen. Beeindruckender als die Musik selber war für mich jedoch die Anfangszeit des Konzertes: 03:30! Die haben wirklich erst mit dem Konzert angefangen, wenn die Halle02 in Heidelberg schon stark übers schließen nachdenkt!
Das Ding wollte ich David dann auch noch gerne zeigen...gezeigthab ich es ihm auch, nur mit hereinkommen wollte er nicht, obwohl dieser Laden nichts gegen seine Laufschuhe gehabt hätte.
Das war am ersten Abend ein zu lösendes Problem. David hatte nur das eine Paar Schuhe mit, ich wollte mir aber mit ein paar Freunden zum ersten Mal den Sutton-Club anschauen. Ich wusste, dass man für diesen Laden keine Turnschuhe tragen durfte. Das unfassbare an diesem Abend war, dass ich es war, der nicht in den Club hereinkam:)
Wie sich herausstellte legten die Türsteher dort mehr Wert auf ein Hemd als auf die Schuhe. David wäre also mit von mir ausgeliehenen Schuhen(3-4 Nummern zu groß)und Hemd hereingekommen, ich jedoch nicht, da sich kein Hemd in meinem Besitz befindet.
Durch Davids Kontaktfreudigkeit gegenüber einer Straßenartistin kam ich in den Genuss eines Punkkonzertes im Antikapitalismus-Millieu. Endlich ein Laden, der dem Teufel, der Sumpfblume oder der Villa in Verranztheit, Ambiente und guten Preisen nicht nachstand.
Fußballfeste:
Genau 2x war ich hier auf dem Placa Catalunya (Hauptplatz, Marktplatz) am feiern.
Ich denke, dass das nur in Verbindung mit Fußball gemacht wird.
Beim ersten Mal hat Barcelona in Madrid ein Ligaspiel gewonnen, das zweite Mal die Meisterschaft.
Zufälligerweise waren meine Besucher bei beiden Ereignissen dabei.
Fabian gab mir recht, als ich bei dem ersteren anmerkte, dass eine Kamera bei diesem Ereignis nicht schlecht gewesen wäre.
Als Davd und Urte mich bei der Meisterfeier begleitet haben war das ganze größer aufgezogen. Mit Bühne, Moderator, Kamerakran...so wie die Public-Viewings vor 4 Jahren. Die Ausschreitungen später kann ich nciht verstehen.
Barca HAT doch GEWONNEN!
Frisbee:
Bei einer lange-Teile-Übung entstand folgender Dialog:
Ist das ein Freund oder ein Feind von dir?
- Ein Freund natürlich, warum?
Weil du ihn mit deinen Pässen noch umbringst.
David hat sich so über das Training auf Sand gefreut und die steilen Pässe gefordert.
Er musste bei 4von5 Pässen mit der Brust im Sand bremsen.
Auch ich war froh mal wieder mit einer Heidee zu spielen. Das ganze auch noch bei perfektem Wetter.2-maliges anschließendes Zug verpassen war mehr lustig als nervig.
Die Frisbee war natürlich bei unseren Stadttouren immer mit dabei...bis David die Idee hatte zu testen wie weit und hoch er werfen könne. Leider ist die Frisbee dabei im Parc Güell auf einem Felsvorsprung liegen geblieben. Unerreichbar, für immer verschollen. Ich hätte es an seiner Stelle aber auch versucht.
Wenn ich gewusst hätte, dass sich Fabian so gut anstellt, wäre mir in den Sinn gekommen eine zweite Sporthose für ihn mit zum Platja de Castelldefels zu nehmen und ihn komplett beim Training mitmachen zu lassen. Bei dem Spiel am Ende hat "der Deutsche in hochgekrempelter Jeans" auf jeden Fall vollen Einsatz gezeigt und sich äußerst gut angestellt. Was mir in Erinnerung bleibt ist der Rückweg. Vom Bahnhof zu unserer Wohnung haben wir mit Roger Street-Frisbee gespielt. Einige verwunderte Passantenblicke gab es, als wir an ihnen vorbei 25-Meterpässe auf dem Bürgersteig oder von der einen Straßenseite zur anderen geworfen haben. Mit verschwitzten T-Shirts und der Gewissheit soeben ziemlich viel Spaß und Adrenalin beim erfinden dieser wunderbar neuen Frisbee-Disziplin/Bewegungsform gehabt zu haben kamen wir in der Wohnung an. Wahrscheinlich ahnte keiner von uns 3en, dass mich Roger am nächsten Tag rausschmeissen wollte.
WG:
Irgendwann während Fabian hier war, saß ich in der Uni am PC und Roger wollte mit mir chatten. Er hat mir mitgeteilt, dass die Wohnung mit 4 Personen zu voll/unordentlich würde und ich mir bald eine neue Wohnung suchen sollte. Die im voraus bezahlte Miete würde ich natürich zurück bekommen.(Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon 2 Tage im voraus bezahlt).
Ebenfalls sollte ich nach Hause kommen und die Küche aufräumen. Es stellte sich heraus, dass es Roger nicht gefiel in welchen Abständen ich das Geschirr spülte und wann die Pfannen nach dem Kochen wieder sauber an der Wand hingen. Zugegeben... (das dürfte fast jedem Leser klar sein) ich bin unordentlich und das gilt/galt auch für die Küche. Auch habe ich, wie oben erwähnt ausschweifende Kochereien veranstaltet, deren Restenicht direkt beseitigt wurden.
Ich fand es sehr befremdlich, dass Roger mich erst rausschmeißen musste um mir die Leviten zu lesen um es dann später in Teilen wieder zurück zu nehmen.
Als David hier war gab es keinerlei Probleme mit der WG. Vielleicht, weil sich Ultimate-Spieler untereinander kompatibler sind, wahrscheinlich aber auch, weil ich nun wusste, auf was es zu achten galt.
Jetzt, da ich meine Unordentlichkeit nur noch auf meinen 6qm² auslebe, gibt es in der Hinsicht keinerlei Probleme mehr. Ich werde auch bis zu meiner Rückkehr hier wohnen bleiben. Es passt einfach wie die Fasut ins Xicht, dass Roger verreist ist, wenn mich erst Suse und dann Andi besuchen.
Ausserdem sind 270€ für Barcelona Innenstadt mit jongliertauglichem Wohnzimmer schwer zu schlagen.
Fotos:
Keiner der Besucher hat eine Kamera mitgebracht.
David verschaffte sich für 10€ mit Einmalkameras abhilfe.
Als Fabian ankam war die Kamera von Tobias noch einsatzbereit.
Auf dem Rückweg vom Frisbeetraining musste ich feststellen, dass der Sand in Castelldefels um einiges feiner und Objektiv-verstopfen geeigneter ist.
Verdammter Mist!
Bin gespannt auf die Bilder von David...(ein paar werden hier eingefügt, wenn ich sie in die Finger bekomme)
Jonglieren:
Beide mussten meine Jongliererei ertragen.Beim warten auf die Metro, auf dem Weg zur Metro...in der Metro und auch sonst an den verschiedensten Orten. Danke!
Morgen werden die Früchte der "Arbeit" geerntet. Die große Show/Revue/Vorführung findet Morgen Mittag statt. Ich bin natürlich ein wenig aufgeregt und hoffe, dass mir nichts ungewollt herunterfällt. Dafür muss ich nun noch Äpfel und Orangen kaufen gehen.
Deshalb schließe ich mit einem kurzen aber bedeutungsvollen:
Fabian und David,David und Fabian,
schön, dass ihr meine Gäste gewesen seid!
Mittwoch, 26. Mai 2010
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